Massenheimer Auenkunst

Klaus Pfeiffer: Alligator

Klaus Pfeiffer: Alligator, Diabas, 1989


Gleich nach der ersten Ausstellung im Jahr 2007 ist der Alligator wie die vermisste Schnee-Eule aus weißem Marmor angekauft worden.
Zu schätzen weiß die Qualität des Kunst-Autodidakten Pfeiffer schon erwähnter Graf zu Solms-Laubach, der ihn in sein Künstlerstädtchen Laubach im Vogelsbergkreis zur dauerhaften Bleibe einlud. Sie kennen vielleicht das Künstlersymposium des „singenden Grafen“. Klaus Pfeiffer wohnte dort lange im ehemaligen Amtshaus des Schlosses.
Die Tierplastik hat seit dem 19. Jahrhundert einen eigenen Stellenwert erhalten, nachdem sie Jahrhunderte zuvor vorrangig als Denkmalsplastik Bedeutung hatte. Sei es als Reiterdenkmal oder im Zusammenhang mit größeren Denkmalen als Allegorien im Sockel oder als schmückende Beigabe.
August Gaul, ein Sohn unserer Region – er stammte aus Groß-Auheim bei Hanau, war Mitbegründer der Berliner Secession um Max Liebermann und gelangte in der deutschen Hauptstadt zu Ruhm -, gilt als der wichtigste Tierplastiker des 19. Jahrhunderts. Sein kleiner Eselsreiter findet sich im Städelgarten, seine Pinguine im Berliner und Frankfurter Zoo, seine Enten-Gruppe u.a. im Garten des Museum Giersch der Goethe-Universität.
Pfeiffer steht in dieser positiven Tradition der Tierplastik. Befreit von jeder Art der Ideologie lässt die Tierdarstellung dem Künstler die Freiheit, den Eigenarten des jeweiligen Tieres bildnerisch nachzuspüren, was ihm ganz wunderbar im Alligator gelingt. Ähnlich wie August Gaul, schließt sich Pfeiffer der unsttheorie Adolf von Hildebrandts an und lässt jedes überflüssige Detail, das zum Verständnis des Ganzen entbehrlich ist, beiseite. Pfeiffer betont die plastischen Qualitäten, zeigt den Alligator in ruhiger, typischer Haltung, onzentriert auf das Wesentliche, weitgehend frei von stofflich begründeten Strukturen. Damit fängt er den harakter des jeweiligen Tieres in den wesentlichen Linien ein und schreibt die Merkmale der Moderne auf seine Art fort.
Die besondere Faszination dieser Figur liegt sicherlich im Spiel mit den natürlich gegebenen Oberflächenstrukturen. Diabase sind dicht bis mittelkörnig. Es gibt sie aber auch in diesen grobkörnigen Varietäten, die häufig ein charakteristisches Gefüge aus sperrig angeordneten Feldspatleisten haben.
Diese natürliche Struktur passt wunderbar zum dargestellten Tier: Einige Teile hat der Künstler fast gar nicht bearbeitet, andere zur Akzentuierung poliert. Dadurch erhält die Schuppenstruktur am Rücken, welche von der Natur schon angedeutet war, eine beeindruckende Vitalität.
Lauscht man übrigens den Ausführungen des Bildhauermeisters Klaus Pfeiffer über die verschiedenen Steinqualitäten, könnte man die Zeit aus dem Blick verlieren. Derart einfühlsam weiß er leidenschaftlich Steine zum Leben zu erwecken- verbal wie bildhauerisch.

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Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
Klaus Knorr
Audioguide: Friedemann Kuhl
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

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