Massenheimer Auenkunst

Clemens M. Strugalla: Undine II

Clemens M. Strugalla: Undine II, Jura-Kalkstein auf Grauwacke, 2007

Clemens W. Strugalla

Hinter dem Thema der »Undine« verbirgt sich eine erotische und spannungsgeladene »Beziehungskist«. Das Thema hat sich dem Künstler durch den Standort an der Aue und durch den Erlenbach eingeflüstert. Die Aue ist eine wunderbare Natur und steht im Wechselverhältnis mit dem Menschen. Genau dieses Thema spiegelt die Undine wider: das Verhältnis von Mensch und Natur.

Eine Undine ist ein weiblicher, jungfräulicher Wassergeist mit bezaubernder Stimme, der das Element Wasser verkörpert, also hier den Erlenbach. Diese Zauberwesen bekommen allerdings erst eine Seele, wenn sie sich mit einem Menschen vermählen. Meist geht diese Verbindung allerdings nicht gut: einem untreuen Gatten bringt die Undine den Tod.

Ähnlich seinen zahlreichen anderen Menschendarstellungen fängt Strugalla eine innere Einstellung der Dargestellten in der äußeren Form ein: z. B. in ihrer Haltung und schafft damit kein Abbild, sondern eher Momentaufnahmen innerer Einstellungen, hier den Wunsch nach Schutz und Geborgenheit. Auf der anderen Seite wehrt sich die Undine mit einer potentiellen Aggressionsbewegung mit den Beinen: sie schwimmt nicht, sondern tritt. Damit spiegelt sie ein sehr aktuelles Thema wider, trotz des klassischen Motivs (seit Mittelalter, Romantik, auch in der Oper; z.B. Erzählung von La Motte Fouquet): Wie weit ist der Mensch natürlich, wie weit wehrt sich die Natur (= Undine) gegen den Menschen? Wie erwähnt: die Undine geht ein Bündnis mit dem Menschen ein, das zum Scheitern verurteilt ist. Was bleibt ist der Appell: Geht verantwortlich mit der Natur um.

Das tut Strugalla bei dem jahrtausendealten Jurakalkstein, der mit dem Solnhofener Kalkstein verwandt ist (Senefelder-Lithographien): In Anspielung auf den Erlenbach hat Strugalla eine Forelle auf der Rückseite eingearbeitet – manchmal ließ er aber auch einfach vorhandene Fossilien wie kleine Schnecken stehen.

Hier erkennen wir ein ganz wichtiges Moment der Plastik: sie will umschritten werden, eine Einansichtigkeit gibt es nicht. Und man muss sich auf die Dreidimensionalität in Ruhe einlassen, was zur Verlangsamung im hektischen Alltag beiträgt.

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Clemens Maximilian Strugalla
Grube Kreuzberg |56348 Weisel bei Kaub
mail@strugalla.info | www.strugalla.info

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Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
> Klaus Knorr
> Jörg Schatz
> Irene Utter
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

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