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Sonja Edle von Hoeßle: Kardinale II

Sonja Edle von Hoeßle: Kardinale II, Cortenstahl, 2021

Sonja Edle von Hoeßle

Vor Kurzem noch im Freigelände der art Karlsruhe zu sehen, präsentiert hier nun Sonja Edle von Hoeßle ihre Kardinale II, die in gewisser Weise an die Endlosschliefe von Max Bill vor den Deutsche Bank-Türmen erinnert: Was als konkrete Idee, als Formgedanke entstand, wird „in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem maß und gesetz“, um Max Bill zu zitieren.


Das Material ist Cortenstahl, die Arbeitsstätte teilt sie sich mit ihrem Künstler-Ehemann Herbert Mehler. Beide sind Kulturpreisträger der Stadt Würzburg. Gemeinsam betreiben sie das Atelier im Erbachshof, einem beeindruckenden Gebäude aus den 1920er Jahren und nutzen die angrenzende Werkstatthalle, um großformatige Cortenstahl-Skulpturen zum Leben zu erwecken. Besonders reizvoll im künstlerischen Zusammenspiel ist der Kontrast in Form und Anmutung. Mehlers Skulpturen wirken organisch, Sonja Edle von Hoeßles Arbeiten lassen mich dagegen immer an Musik und Notenschlüssel denken. Sie bringen mich aufgrund ihrer Form zum Schwingen. Egal aus welcher Perspektive betrachtet – eine Einansichtigkeit gibt es nicht: Sie sind reinste Harmonie. Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben der Künstlerin – sei es ganz klassisch à la Bach oder reiner Rock aus ihrer Jugend. Musik hat für Sonja Edle von Hoeßle etwas Architektonisches. Töne kann sie in Räume übersetzen. Seit 2021/22 gehen ihre Endlosschleifen mehr in die Vertikale im Vergleich zu ihren Anfängen Mitte der 1990er Jahre. Zwischenzeitlich hatte sich die Künstlerin auch auf die Malerei verlegt, ist aber nunmehr wieder zurück zu ihren Wurzeln gekehrt.

Ein langes „Tüfteln“ ging voraus. Dreidimensionale Ideen-Skizzen aus Aludraht helfen der Künstlerin in der Formfindung, deren Elemente sie mit einer Heißklebepistole verklebt. In einem zweiten Schritt arbeitet sie mit einem Vollmaterial wie Eisen, aus dem verschweißte Modelle von 10 bis 20 cm Höhe werden. Diese stellen schließlich die Vorlage für die großformatige Skulptur dar. Mit einem bestimmten Faktor rechnet sie die Einzelelemente hoch, d.h. wieviele gerade Abschnitte und Bögen, die teilwiese die Richtung ändern, benötigt werden. Erst dann geht die Künstlerin zum Cortenstahl und damit ins Große über. Dieses witterungsbeständige Metall, das ursprünglich im Schiffsbau verwendet wurde, gibt es nur als Platte. Daher lässt Edle von Hoeßle von einem Metallbaubetrieb einzelne Streifen und Kreissegmente nach ihren Vorgaben
schneiden.


In der Werkstatt setzt sie dann in Anlehnung an ihr Modell die Streifen und Bögen zusammen. Ihre quadratischen Röhren sind dabei hohl bis auf alle 15 bis 20 cm: In diesem Rhythmus fügt sie ein Innengerüst ein. Beim Zusammensetzen, Verschweißen und Verschleifen arbeitet sie am Stück an einer Skulptur mehrere Wochen lang. Wichtig ist dabei, dass ihre Skulptur niemals aus dem Gleichgewicht gerät. Auch der Fuß muss Teil der gesamten Bewegung werden, elegant ausschauen und sich in einem Gleichgewicht befinden. Nur so steht und ruht die Skulptur in sich selbst und wird zum Gleichnis der Harmonie. Als Gegenüber zum martialischen Krieger Linkes bildet sie nunmehr einen positiven Kontrast an diesem Eingang bzw. je nach Perspektive am Ende der Aue.

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Kontakt:
Sonja Edle von Hoeßle
97249 Eisingen | Erbachshof 3
www.erbachshof-art-project.com | info@erbachshof-art-project.com
www.edle-von-hoessle.com | sonja.edle@web.de
0172 8462555

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Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
Klaus Knorr
Audioguide: Friedemann Kuhl
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

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