Massenheimer Auenkunst

Harms u. Müller-Fries: Wenn über dem Weinberg es flammt – 3

Anja Harms und Eberhard Müller-Fries, Wenn über dem Weinberg es flammt, Stahlrahmen/Holz, 2020, Objekt 3 (letzte schwarze):

„Des Herbstes der Weinberg, weil / Die Röhren des Lebens feuriger atmen“

Passend zu dieser und der vorherigen Gedichtzeile aus Objekt 2 präsentiert sich dieses 3. Objekt in schwarz. Bisher lautet das Gedichtfragment Nr. 50 von Hölderlin:

Wenn über dem Weinberg es flammt

Und schwarz wie Kohlen

Aussieht um die Zeit

Des Herbstes der Weinberg, weil

Die Röhren des Lebens feuriger atmen…

Weiter geht es:

In den Schatten des Weinstocks. Aber

Schön ist‘s, die Seele

Zu entfalten und das kurze Leben.

Und mit diesem hatte Hölderlin leidvolle Erfahrung. Stirbt seine Susette, alias Diotima doch sehr früh. Dass die Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte, beweisen Briefe der Frankfurter Bankiersgattin an Hölderlin kurz vor ihrem Tod. Das Gedichtfragment ist auf dem Wingert Bad Homburgs entstanden, als er durch Sinclair in Bad Homburg Aufenthalt genoss und Aufträge an den musisch hessen-homburgischen Landgrafenhof vermittelt bekam. Nach seinem zweiten BH-Aufenthalt verfiel Hölderin, auch wegen der Verleumdungskampagne gegen seinen Freund Sinclair, dem Wahnsinn und verbrachte seine letzten Lebensjahrzehnte im Tübinger Turm – mit freiem Auslauf und bei bester Kost und Logis. Manche behaupten, er habe deshalb den Wahnsinn nur vorgetäuscht. Das soll uns hier aber nicht länger beschäftigen.

Vielmehr möchte ich nochmals auf die Gestaltung der Kunstwerke eingehen. Sie sehen aus wie aufgeklappte Buchdeckel oder Doppelseiten eines Buches oder wie ein Paravent; jedoch nicht geschlossen, sondern durchlässig. Damit haben sie eine Bedeutung für die Hölderlin-Texte, die auch nicht abgeschlossen, sondern mehrfach lesbar sind. Und sie stehen in der Landschaft, in der die Menschen bereit sein müssen, diese zu entdecken. Wie dies gerade durch die Öffnungen in der Skulptur geschehen kann, erläutere ich bei den letzten zwei Objekten.

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Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
> Klaus Knorr
> Jörg Schatz
> Irene Utter
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

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