Massenheimer Auenkunst

Benedetta von Collenberg: Der Spötter

Benedetta von Collenberg: Der Spötter – ausgelacht, Lärche, Acryl,
PU-Schaum, 2013/2019

In Solms-Laubach war Benedetta von Collenberg 6 Jahre lang bis 2014 »artist in residence« beim wunderbar kunstsinnigen Grafen Karl-Georg zu Solms-Laubach und hat regelmäßig an den unter seiner Schirmherrschaft stehenden Künstlersymposien teilgenommen. Ihm ist sie heute noch zu großem Dank verpflichtet: 6 Jahre konnte sie umsonst im Nebengebäude wohnen, ihr Arbeitsplatz war groß genug und das Holz für ihre Skulpturen kam aus den Solmser bzw. Laubacher Wäldern.

Auch der Spötter ist in dieser Zeit entstanden (2013). Wie man an der Jahreszahl 2019 sieht, hat er speziell für die Aue ein neues Gesicht erhalten.

Von Collenberg hat als Städel-Abendschülerin bei Monika Romstein, Anne Reda (Bildhauerei) und Nicole von den Plas (Malerei) 2004-07 gelernt, was nicht geht █. Sie malt und modelliert faszinierende Skulpturen in Modellierwachs als Modelle für Bronzen und arbeitet im Wachsausschmelzverfahren ganz fein bis auf die Schnurrhaare.

Sehr gerne arbeitet sie aber auch mit Holz: Es ist nicht teuer, kommuniziert und nimmt es nicht übel, wenn man es mit anderen Materialien kombiniert. Als lebendes Material ist es ideal für einen Kopf geeignet. Lärchenholz ist dabei gut für Außenskulpturen, da witterungsbeständig.

Wie hat man sich den Arbeitsprozess vorzustellen? Zunächst wächst eine Idee für das bestimmte Holz, von Collenberg nimmt im übrigen immer nur Kernholz, dann macht sich die Künstlerin mit Kettensäge ans Werk, wie bei einer Skizze: nicht am Stück, sondern mit Pausen, setzt sie erneut bei bestimmten Schnitten des Kopfes an. Beitel und Stemmeisen lehnt sie ab: »Da würde ich mich zu sehr ins Detail verlieren oder in Oberammergau landen.« Ein Arbeiten mit Kettensäge heißt also nicht, dass alles ganz schnell vonstatten geht. Im Gegenteil: Die Idee muss reifen, das Werk muss auch einmal ruhen. In dieser Zeit arbeitet die Bildhauerin parallel an ein bis zwei anderen Werken, geht in sich, um der Inspiration freien Lauf zu lassen. Drei bis sechs Wochen Arbeitszeit gehen daher schon für eine Skulptur ins Land.

Unser Spötter gewinnt seine Ausstrahlung durch den Materialkontrast: Der PU-Schaum ist bewusst weiß gelassen, assoziiert das eigentlich eklige Material, das man in unserer schnelllebigen Zeit zum oberflächlichen Kitten benutzt. Schon fast tot, zerstört, lacht er eklig weiter, obwohl das Blut in Form von rotem Acryl schon über ihn fließt. Seinen zerstörerischen Charakter hat damit die Künstlerin aussagekräftig unterstrichen.

Geschützt ist sie beim Arbeiten mit Brille und durch eine Schnitzschutz-Hose. Mit dieser spazierte sie in ihrer Residenzzeit in Laubach regelmäßig in den Pausen – auch bei größter Hitze – durch das idyllische Städtchen und erregte bei den Bewohnern große Empathie, die sie mit kostenfreiem Wasser und Eis versorgten.

Immer frohgelaunt, hat sie auch den Tippfehler im Flyer mit Humor genommen: Da steht sie als Benita statt als Benedetta. In Frankreich geboren lautet ihr voller Name kurz und knapp: Benedetta Marie Huguette Leonie Jeanne et omnes sancti. Nun hat sie noch einen Namen mehr und wenn sie erneut heiraten würde, würde die Zeremonie noch etwas länger dauern als bisher, denn schließlich müssen ja erst diese 7 Damen aufgerufen werden, bis der Bräutigam dran kommt. Ihr Onkel sagte übrigens bei ihrer zweiten Verheiratung zu ihrer Mutter: »Hättest Du das Kind Anna genannt, wären wir schon beim Essen!«.

______________________________________________________________________________
Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
> Klaus Knorr
> Jörg Schatz
> Irene Utter
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

© 2021 Massenheimer Auenkunst

Thema von Anders Norén