Massenheimer Auenkunst

Anne-Marie Kuprat: Große Kupferziege

Anne-Marie Kuprat: Große Kupferziege, 2018

Die rheinhessische Künstlerin Anne-Marie Kuprat hatte im Jahr 2017 zwei Tier-Trophäen und ein Krokodil aus Draht mit verleimten Papier bzw. aus reinem Draht gezeigt. Die große Kupferziege steht seit 2018 hier und wurde extra für die Aue gefertigt.

Kuprats Tiere entspringen ihrer Phantasie, die ihr reichliches Repertoire liefert. Kein Wunder, hat sie doch zunächst an der Kunsthochschule und Universität Mainz Kunst und Biologie studiert und gleich noch ein Studium des wissenschaftlichen Films sowie der Illustration angeschlossen und danach in diesen Brotberufen erfolgreich gearbeitet.

Heute konzentriert sie sich auf ihr Kunstlehrer-Dasein (zur finanziellen Basisabsicherung) und ihre Tätigkeit als freischaffende Plastikerin und Zeichnerin, filmt aber noch privat; zum Beispiel vor vier Jahren »Every day, passing my way«, das heißt pro Tag ein Tier, das ihr auf dem Schulweg von Wallertheim bei Wörrstadt nach Geisenheim über den Weg läuft oder fliegt: Schmetterlinge, Reiher, Blattwanzen, von ganz klein bis groß. Und genügend Beobachtungszeit hat sie, fährt sie doch den ganzen Weg mit dem Fahrrad!

Bewundernswert ist, mit welcher Instinktsicherheit Anne Kuprat ihre Tiergestalten formt und wie präsent das gezeichnete Tier ist: Ich spreche bewusst von Zeichnung, ein Medium, das Kuprat meisterlich beherrscht, denn nichts anderes als ein dreidimensionales Tierporträt tritt Ihnen oben auf dem Sockel entgegen:

Mit gebogenen, 14 mm dicken Kupferrohren und Kupferdraht umzeichnet sie einen Raum, der durch die Wahrnehmung des Betrachters ergänzt werden muss. Virtuos setzt sie mit der Leichtigkeit des Materials der Natur abgeschaute Formen um und geht dabei vom Kopf aus. Weil es einfach »nahe« liegt: Der Kopf ist gut als Anfang, denn er hat Ausdruck, kommuniziert mit ihr, z.B. fragt das Objekt die Künstlerin »Wie sieht der Rest meines Körpers aus?«

Kuprat hat über die wissenschaftliche Illustration als Sachzeichnerin in der Verbindung von Biologie und bildender Kunst zu den Bewegungsstudien und Tierplastiken der anderen Art gefunden. Für diese Ziege gab es Vorläufer aus Naturmaterialien.

Ursprünglich hat die Künstlerin ähnlich den Arte Povera-Künstlern aus den 1960er Jahren mit vergänglichen Materialien gearbeitet: eine Ziege aus Weidengeflecht hätten wir gerne auch in der Aue gezeigt. Um sie der Vergänglichkeit zu entreißen, ist sie nun aus Kupfer und Acryllack auf einem Holzsockel umgesetzt.

Die Vergänglichkeit war demnach der Grund, warum die Künstlerin nach neuer Intuition suchte und auf das Material Kupferrohr mit Draht kam, mit dem sie schon immer gerne „gespielt“ hat. Wie beim zeichnerischen Strich spielt sie mit der Spannung des Endlosrohres (oder des Drahtes) und biegt zum Teil aus einem Stück das Kupferrohr über Kopf, Bauch und Beine. Zum Schluss hat sie alles weiß gehöht.

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Text: © Dr. Astrid von Luxburg
www.kultur-erlebnis.de
Idee, Fotos und Gestaltung:
> Klaus Knorr
> Jörg Schatz
> Irene Utter
IT-Unterstützung: Adrian Knorr
Kontakt: info@kpknorr.de

Auf den ersten Blick hebt sich die Ziege dadurch wunderbar von der Laubfärbung der Bäume ab, was auch von der Künstlerin intendiert ist.

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